Von wegen Heilige Nacht!

Weihnachten in der politischen Propaganda 28. November 2010 bis 30. Januar 2011 Schwäbisches Volkskundemuseum Oberschönenfeld

Die neue Sonderausstellung "Von wegen Heilige Nacht! Weihnachten in der politischen Propaganda" des Schwäbischen Volkskundemuseums Oberschönenfeld (Landkreis Augsburg) von Sonntag, 28. November, bis Sonntag, 30. Januar 2011, thematisiert mit zahlreichen Objekten wie Adventskalendern, Christbaumschmuck und Krippen, wie das Weihnachtsfest in verschiedenen Epochen zur Manipulation von Menschen instrumentalisiert wurde.

Glitzernder Christbaumschmuck in Soldatenform, weihnachtliche Feldpostkarten mit abgebildeten Handgranaten oder auch Weihnachtskalender, in denen von "Bluterbe, Ahnen und Sinnzeichen" die Rede ist - solche kuriosen Funde machten Rita Breuer und ihre Tochter Dr. Judith Breuer, als sie alten Christbaumschmuck aus Großmutters Zeiten suchten. Die Funde wollten jedoch so gar nicht zu dem gewohnten Bild von Weihnachten passen. Denn seitdem sich das Weihnachtsfest im 19. Jahrhundert zum bürgerlichen Familienfest entwickelt hatte, wurde es immer wieder zur politischen Propaganda missbraucht - mit höchst geschickten "Verpackungen". Rita Breuer und Dr. Judith Breuer haben diese sehr speziellen weihnachtlichen Gegenstände zu einer spannenden Ausstellung zusammengestellt, die junge und alte Menschen gleichermaßen anspricht.

Die Ausstellung beginnt mit dem Ersten Weltkrieg, mit Soldatenfeiern an der Front und mit der Militarisierung des Kinderzimmers durch entsprechende Spielsachen. Einen wichtigen Teil nimmt das Thema "Weihnachten im Nationalsozialismus" ein: Die Nationalsozialisten versuchten, das christliche Fest zur "völkischen" Sonnenwendfeier umzufunktionieren, zum Beispiel mit "Sinngebäck", mit "Schimmelreiter" statt Nikolaus, mit Lichtersprüchen und mit Mutter-und-Kind-Kult. Der Zweite Weltkrieg erhielt besondere Betonung durch den Mythos der "Soldatenweihnacht" und das notgedrungen einfache Weihnachtsfest an der "Heimatfront". Einen weiteren Ausstellungsbereich bildet die Weihnachtszeit im "Kalten Krieg": Sie ist geprägt von "Päckchen für drüben", aber auch den "Jolkafeiern", dem "Großväterchen Frost" und der "Jahresendfigur" in der DDR. Die 68er-Generation steuerte "garstige Weihnachtslieder" bei. Schließlich macht weihnachtliches Propaganda-Material aus dem Umfeld rechtsextremistischer Kreise deutlich, wie aktuell das Thema bis heute ist.

Begleitend zur Ausstellung sind wieder die beliebten offenen Sonntags- und Sonntags-Matinee-Führungen angeboten. Mehrere Spezialprogramme können eigens gebucht werden. So richtet sich die Führung "Weihnachtserinnerungen" speziell an Senioren: Gemeinsam wird auf die unterschiedlichen Erlebnisse der Heiligen Nacht vor einigen Jahrzehnten zurückgeblickt. Für Schulklassen hat die Museumspädagogik zahlreiche lehrplanbezogene Angebote und Themenschwerpunkte zusammengestellt. Zusätzlich stehen für Lehrkräfte Arbeitsmaterialien zur Vor- und Nachbereitung eines Ausstellungsbesuchs auf der Homepage des Museums und im Internet bereit.

Zur Ausstellung ist im Museum eine ausführliche Publikation erhältlich: Judith Breuer/Rita Breuer: Von wegen Heilige Nacht! Das Weihnachtsfest in der politischen Propaganda. Mühlheim an der Ruhr: Verl. an der Ruhr 2000, 218 Seiten, zahlreiche Abbildungen.

Wie in jedem Jahr ist auch heuer wieder die große Wiegel-Krippe des Museums zu besichtigen.


Postkarte "Herzinnigen Weihnachtsgruß" aus dem Ersten Weltkrieg
Weihnachten Rita Breuer

Kontakt:
Schwäbisches Volkskundemuseum
Oberschönenfeld
86459 Gessertshausen
geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen.
Internet: www.schwaebisches-volkskundemuseum.de