Welserjahr in der Fuggerstadt

Die Fuggerstadt Augsburg gedenkt 2011 eines vor 450 Jahren verstorbenen Welsers: Bartholomäus (V.) Welser war ein herausragender Vertreter des einzigen Augsburger Familienunternehmens der Frühen Neuzeit, das den Fuggern das Wasser reichen konnte.

Er leitete ein weltumspannendes Unternehmen. 1528 übertrug ihm Kaiser Karl V. sogar die Statthalterschaft über das heutige Venezuela. Der Tod des Augsburger Kaufherrn im Jahr 1561 fällt in das Ende der Glanzzeit des „goldenen Augsburg der Renaissance“. Die Stadt gedenkt ihres großen Sohns aus einem der ältesten Patriziergeschlechter der Stadt mit einem ganzjährigen Programm – einer prächtigen Ausstellung, mit Vorträgen, Führungen, Exkursionen, Konzerten und einem Renaissancefest im Botanischen Garten.

Augsburg und die Fugger? Alles klar. Da ist die Fuggerei, die weltberühmte älteste bestehende Sozial-siedlung der Welt, eine kleine Stadt in der Stadt. Da sind die Fuggerhäuser mit dem Damenhof, in dem ein Restaurant bewirtet und unter dessen Arkaden man sich wie in Italien fühlt. Und da ist die Fugger-kapelle in St. Anna, in der sich Jakob Fugger „der Reiche“ und seine Brüder bestatten ließen. Aber die Welser, die zweite große Familie Augsburgs? Bei ihnen muss man schon ein bisschen genauer hinsehen, dann aber fallen auch die Spuren dieser Kaufmanns- und Patrizierfamilie in der Altstadt auf.

Das Maximilianmuseum Augsburg heimst derzeit für seine Ausstellung „Bürgermacht & Bücherpracht“ bundesweit Lob ein. Natürlich taucht in den Prachthandschriften reicher Patrizier und Kaufleute die rot-weiße Welserlilie auf. Ein Teil des preisgekrönten Museumskomplexes ist ein einstiges Welserhaus: Um das herauszufinden, muss man nur die Rückseite des Bauwerks an der Annastraße besuchen. Dort erinnert eine steinerne Gedenktafel an den Vorbesitzer: „In diesem Haus wohnte von 1511 bis 1519 Bartholomäus Welser, der die ersten deutschen Kolonialunternehmungen nach Südamerika führte.“ Ein Projekt, das Schweiß, Tränen und am Ende sogar Blut kostete und 1556 wenig erquicklich zu Ende ging. Doch Weltgeschichte hatten die Welser damit geschrieben. Ähnlich prominent wie Bartholomäus (V.) Welser schaffte das eigentlich nur noch die schöne Philippine Welser, die 1557 der zweite Sohn des Kaisers heimlich ehelichte und so der Liebe wegen auf seinen (potentiellen) Anspruch auf die Krone verzichtete. Nur eine Gedenktafel am prachtvollen Schaezlerpalais, das an der Stelle ihres Geburtshauses steht, erinnert noch an die schöne Augsburgerin.

Doch ansonsten findet man den Namen Welser, ihr Lilienwappen und ihre historischen Spuren an etlichen Stellen in der Stadt: im Goldenen Saal des Renaissancerathauses ebenso wie an drei manieristischen Monumentalbrunnen, an etlichen Epitaphien im Kreuzgang der Annakirche, an mehreren gotischen Gemälden in der Staatsgalerie Altdeutsche Meister (wo auch Dürers Porträt von Jakob Fugger „dem Reichen“ hängt) und sogar im Römischen Museum Augsburg. Der Humanist Markus Welser belegte mit seiner Stadtgeschichte die Gründung Augsburgs durch die Römer, nachdem der bayerische Geschichtsschreiber Aventinus der Reichsstadt am Lech eben jene antike Wurzeln abgesprochen hatte. Eine Kopie der von Markus Welser publizierten „Tabula Peutingeriana“ ist hier zu sehen. Ab 2012 soll den Welsern sogar eine Gedenkstätte in Augsburg (mit-)gewidmet sein: Dann wird das neue Fugger und Welser Erlebnismuseum eröffnet.


Eine Inschriftentafel im prachtvollen Goldenen Saal des Augsburger Rathauses trägt gleich zweimal den Namen Welser – nur eine von etlichen Spuren der reichen und kunstsinnigen Patrizier- und Kaufherrnfamilie, die nicht nur Konkurrent sondern auch Geschäftspartner der Fugger war.

Bildnachweis: Martin Kluger/context medien und verlag


Eine Broschüre mit Hinweisen zu den Sehenswürdigkeiten auf der Suche nach Spuren der Welser in Augsburg sowie mit dem Programm zum Gedenkjahr erhält man bei der Regio Augsburg Tourismus GmbH, Telefon 08 21/5 02 07-0, www.augsburg-tourismus.de.


Höhepunkte im Gedenkjahr anlässlich des
450. Todestags von Bartholomäus (V.) Welser

bis So, 19. Juni: Bürgermacht & Bücherpracht – diese Ausstellung zeigt eine Blüte der Buchmalerei im Maximilianmuseum Augsburg. Prachthandschriften für den Augsburger Rat, für Patrizier und reiche Kaufleute (www.buecherpracht.de).

Do, 5. Mai, 18 Uhr: Philippine Welser – eine Liebesgeschichte zwischen Augsburg und Innsbruck? Vortrag der Historikerin Dr. Sigrid-M. Größing mit musikalischem Programm um „Philippine, die schöne Welserin“ im Maximilianmuseum Augsburg.

Sa, 24. September, 11 bis 18 Uhr: ein Renaissancefest zu Ehren von Bartholomäus Welser mit Patriziern und Bürgern der Frühen Neuzeit im Botanischen Garten Augsburg.

Sa, 8. Oktober, 6 bis 24 Uhr: Ansichtssachen: Augsburg! – Führungen durch Augsburg „am laufenden Band“ – ein Schwerpunktthema ist der 450. Todestag von Bartholomäus (V.) Welser.

Do, 13. Oktober, 19.30 Uhr: Festkonzert zum 450. Todestag von Bartholomäus (V.) Welser im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses – Vokal- und Tanzmusik von Josquin des Prèz, Alexander Agricola und Paul Hofhaimer aus dem „Augsburger Liederbuch“ (1505–1518).

Fr, 18. November, 18 Uhr: „Geld Macht Musik“ – ein Konzert mit Vortrag im Maximilianmuseum Augsburg. Das Ensemble B-Five Recorder Consort belegt mit Musik aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die künstlerische Aufbruchsstimmung der Zeit. Mit einer Lesung zum 2010 erschienenen Buch „Die Fugger und Welser“ der Historiker Regina Dauser und Magnus Ferber.