Augsburgs Industriedenkmal Gaswerk soll Standort für neues Museum der Bayerischen Geschichte werden

Das historische Gaswerk im Stadtteil Oberhausen – eine Perle der Augsburger Industriekultur – soll der Standort des für 2018 geplanten Museums der Bayerischen Geschichte werden.

So wünscht es sich jedenfalls Augsburgs 3. Bürgermeister und Kulturreferent Peter Grab. Das von 1913 bis 1915 errichtete Architekturensemble bietet Industriearchitektur vom Feinsten. Das Gaswerk – erbaut im klassizistischen Stil mit Jugendstilanklängen – ist das einzige noch komplett erhaltene „Fabrikschloss“ Bayerns. Europaweit gibt es zudem keine Anlage mehr, die die Stationen der Leuchtgaserzeugung derart lückenlos zeigen kann.

Prof. Karl Ganser, der „Architekt des neuen Ruhrgebiets“, ist der wohl sachkundigste Verfechter einer adäquaten Nutzung des Gaswerks Augsburg-Oberhausen. Mit Prof. Ganser konnte Grab einen ebenso prominenten wie engagierten Verfasser für das Augsburger Bewerbungsexposé gewinnen. Gansers Vorschlag: Der Freistaat Bayern soll das „städtebauliche Gesamtkunstwerk“ Gaswerk mit einem innovativen Technikkonzept zu einem „Schaufenster der Energiewende“ werden lassen. Denn die teils spektakulären Bauten des Gaswerks Augsburg-Oberhausen bieten beste Voraussetzungen für den Einbau moderner Raumhüllen. Überdies könnte die weiträumige, schlossartige Anlage zusätzlich um moderne Bauten erweitert werden. Ein weiterer Vorteil des Areals: Bei Freiluftveranstaltungen finden dort bis zu 10.000 Besucher Platz. Sogar ein Bahngleis führt direkt zum Gaswerk, das sich im Besitz der Stadtwerke Augsburg befindet.

Schon heute ist klar: Augsburgs Bewerbung als Standort des geplanten Museums der Bayerischen Geschichte ist in jedem Fall ein Erfolg. Die Augsburger Allgemeine will erfahren haben, dass es die Augsburger Bewerbung unter die letzten fünf Bewerber geschafft hat, die sich noch Chancen ausrechnen dürfen. Für Augsburgs Bürgermeister Peter Grab ist die Nachricht über das positive Abschneiden der Museumsbewerbung natürlich höchst erfreulich. Dies umso mehr, als die Stadt aufgrund ihrer Interessensbekundung bei der UNESCO derzeit ein weiteres heißes Eisen im Feuer hat, das die Augsburger Industriekultur zum Thema hat. Das Historische Technik- und Kulturensemble Augsburger Wasserwirtschaft soll UNESCO-Welterbe werden. Der Hintergrund: Augsburgs seit 500 Jahren technisch äußerst innovative Wasserwirtschaft hat hochrangige Architektur, Technik- und Kunstdenkmäler hinterlassen. Sie reichen vom spätmittelalterlichen Wasserwerk über europaweit bedeutende Brunnenkunst der Renaissance bis zu einem komplett erhaltenen Wasserwerk von 1879, seinerzeit eine technische Sensation. Lech und Wertach speisen ein ausgedehntes Kanalsystem sowie zahlreiche Wasserkraftwerke, das früheste aus dem Jahr 1903.


Das von 1913 bis 1915 errichtete Gaswerk in Augsburg-Oberhausen, ein städtebauliches Gesamtkunstwerk aus der Werkstatt der Gebr. Rank in München, ist ein europaweit einzigartiges Fabrikschloss. (Bildnachweis: Stadtwerke Augsburg)

Die Exposés zur Bewerbung Augsburgs als Standort für das Museum der Bayerischen Geschichte sowie das Exposé der Interessenbekundung der Stadt Augsburg an die UNESCO findet man auf der Website der Stadt Augsburg www.augsburg.de (unter Kultur - Projekte) und auf der Website der Regio Augsburg Tourismus GmbH www.augsburg-tourismus.de (auf der Startseite). Die Bewerbung für das Museum der Bayerischen Geschichte findet man außerdem auf der Website des Gaswerks www.gaswerkaugsburg.de (auf der Startseite).

Über alle Perlen der Augsburger Industriearchitektur informiert das 2010 von Prof. Karl Ganser verfasste Taschenbuch „Industriekultur in Augsburg. Pioniere und Fabrikschlösser“. Es führt auch ins Gaswerk, ins Augsburger Textilviertel und damit zum Glaspalast sowie zum 2010 eröffneten Staatlichen Textil- und Industriemuseum (tim). Dabei streift Ganser auch die Geschichte von Augsburger Pionieren der Technikgeschichte: Der prominenteste unter ihnen ist Rudolf Diesel, der in Augsburg den Dieselmotor entwickelte. Das von der Regio Augsburg Tourismus GmbH herausgegebene Buch, erschienen im context verlag Augsburg, ist bundesweit im Buchhandel erhältlich. Zum Thema informiert aber auch eine kostenlose Broschüre der Regio Augsburg Tourismus GmbH. Auch diese ist im Internet unter www.augsburg-tourismus.de als Download verfügbar.