Die Sieben Schwaben: vom Schwank zur Marke

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des Bezirks Schwaben zeigt das Schwäbische Volkskundemuseum Oberschönenfeld ab Sonntag, 17. März, die Ausstellung „Die Sieben Schwaben. Vom Schwank zur Marke“.

Ob als Brunnenskulptur, Denkmal oder Wandmalerei, im Gasthaus oder auf der Verkehrsinsel: Immer wieder begegnen uns nicht nur in Bayerisch-Schwaben sieben „tapfere“ Gesellen mit einem langen Spieß – die Sieben Schwaben. Bekannt sind sie weit über die Region hinaus, doch wer kennt eigentlich ihre Geschichte? Die Handlung selbst ist schnell erzählt: Bewaffnet mit einem Spieß begeben sich sieben Schwaben auf die Jagd, um das Ungeheuer am Bodensee zu besiegen. Doch als sie dem „Ungethier“ endlich gegenüberstehen, entpuppt es sich als harmloser Hase. Viele Autoren haben dieses Motiv verwendet, überarbeitet, umgeformt, in Prosa erzählt oder in Reime gesetzt, vielfach wurde es illustriert und karikiert.


Wirtshausschild der "7-Schwaben-Stuben", Augsburg 1971. Das traditionsreiche Gasthaus am Augsburger Königsplatz wurde 1996 geschlossen. Foto Andreas Brücklmair

Motivgeschichte
Die Erzählung hat eine bewegte Vergangenheit: Das Grundmotiv lässt sich bis zu einer lateinischen Handschrift des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen. In einem Meisterlied von Hans Sachs aus dem Jahr 1545 treten noch neun Schwaben auf, ehe sich ihre Zahl im 17. Jahrhundert auf sieben einpendelte. Seitdem wurde der Stoff immer wieder literarisch aufgegriffen und neu erzählt – als Märchen bei den Brüdern Grimm, als Operette von Karl Millöcker oder als Hörspiel für Kinder. Besonderer Beliebtheit erfreu(t)en sich die Abenteuer der Sieben Schwaben in der Version des gebürtigen Türkheimers Ludwig Aurbacher (1784 – 1847). Er breitete den Stoff erstmals 1827 in seinem „Volksbüchlein“ – zunächst anonym – zu einem ganzen Schwankzyklus aus und wies allen Sieben Schwaben spezifische „typisch schwäbische“ Eigenschaften zu.

Die Sieben Schwaben
Unter dem Motto „Wie alle Sieben für Einen, so für alle Sieben nur Einen“ trugen bei Ludwig Aurbacher Seehas, Nestelschwab, Gelbfüßler, Knöpfleschwab, Blitzschwab, Spiegelschwab und Allgäuer den langen Spieß in wechselnder Reihenfolge. Dabei führten sie ihre Wege und Umwege zwischen Bodensee und Ries über Augsburg quer durch Schwaben. Auf ihrer Reise erlebten sie zahlreiche Abenteuer.

Vom Schwank zur Marke
Vom „Dummenschwank“, der mit Schwaben-Klischees spielt, sind die Sieben Schwaben im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einer beliebten Marke geworden, derer sich zahlreiche Firmen, Städte und Vereine, Gasthäuser und Hotels als Marketinginstrument gerne bedienen. Ob im Kinderzimmer, im Schulunterricht oder im Wirtshaus – in der (schwäbischen) Alltagskultur ist das Bild der Sieben Schwaben, wie sie mit ihrem langen Spieß vor einem Hasen zurückschrecken, bis heute präsent.
Die Ausstellung lädt Groß und Klein dazu ein, sich auf die Spuren der Sieben Schwaben zu begeben, spielerisch die einzelnen Charaktere kennenzulernen, von ihren Abenteuern zu lesen und zu hören und darüber hinaus etwas über die Hintergründe zu erfahren, zum Teil anhand einzigartiger Objekte.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband mit zahlreichen farbigen Abbildungen.


Begleitprogramm zur Sonderausstellung
Sonntagsführung um 11 Uhr
24. März/ 14. April/ 28. April/ 23. Juni/ 8. September/ 6. Oktober

Sonn- und Feiertagsführung um 15 Uhr
31. März/ 20. Mai/ 30. Mai/ 2. Juni/ 28. Juli/ 4. August

Spezialführung am Sonn- und Feiertag um 15 Uhr
Mit Dr. Gertrud Roth-Bojadzhiev
9. Mai: Ins Bild gesetzt. Die sieben Schwaben in der Buchillustration
14. Juli: Der Nestelschwab. Kleidung zwischen Spott und Wirklichkeit
22. September: Lob der Torheit. Schildbürger und Schwaben als Regionalspott

Familienführung am Sonntag mit kreativem Teil, 15 –16.30 Uhr
19. Mai/ 15. September

12. Mai: Internationaler Museumstag, Eintritt frei
Mit-Mach-Programm, 13 –17 Uhr, Führungen um 14 und 16 Uhr

9. Juni: Museumsfest, Eintritt frei
„Schwaben unterwegs – Kultur für Schwaben“
Programm und Bewirtung, 10 –17 Uhr, Führungen um 14 und 16 Uhr

Lesung für Jung und Alt am Nachmittag
Mit Matthias Klösel
14. April/ 29. September, jeweils um 15 und 16 Uhr

Erzählcafe am Samstag um 14.30 Uhr
Mit Dr. Gertrud Roth-Bojadzhiev
18. Mai/ 20. Juli/ 21. September, jeweils um 14.30 Uhr, Führung und anschließender Austausch bei Kaffee, Tee und Gebäck
Kosten: 5,00 EUR inkl. Eintritt, nur mit Anmeldung

Sommerferien-Kinderkurs „Untiere fotografisch entlarvt!“
30. August, 10 –14 Uhr (8 –13 Jahre), nur mit Anmeldung, Kosten: 4,00 EUR

Führungen für Gruppen auf Anfrage
Dauer: 60 Min., Kosten: 30,00 EUR (max. 20 TN) zzgl. Eintritt

Schulklassen-Führung mit kreativem Gestalten
Dauer: 90 –120 Min.; Kosten: 4,00 EUR pro Person, inkl. Eintritt und
Material

Sieben-Schwaben-Spiel für kleine Entdecker
Rundgang mit Rätselbogen für 1,00 EUR an der Museumskasse
erhältlich


Öffnungszeiten:
Di – So von 10-17 Uhr, Feiertage geöffnet.
Für Gruppen auch nach Vereinbarung.

Kontakt:
Schwäbisches Volkskundemuseum Oberschönenfeld
Oberschönenfeld 4
86459 Gessertshausen
Telefon: (0 82 38) 30 01-12
Fax: (0 82 38) 30 01-10
www.schwaebisches-volkskundemuseum.de