25-jähriges Jubiläum des Schwäbischen Volkskundemuseums

2009 feiert das Schwäbische Volkskundemuseum sein 25-jähriges Jubiläum und präsentiert daher gleich zwei neue Sonderausstellungen.

Aus diesem Anlass zeigt das Museum gleich zwei Ausstellungen: „Aloha-Shirt & Co. – Textile Träume von Hawaii“ führt in die farbenfrohe Welt des Hawaii-Hemdes, das auch bei uns in den 1950er-Jahren populär wurde, und fortgesetzt wird die Reise mit „Exotik um den Nierentisch – Keramik der 50er-Jahre. Die Sammlung Alois Harasko“ (bis 11. Oktober), die populäre, exotische und skurrile Keramiken der Wirtschaftswunderzeit zeigt.

„Aloha-Shirt & Co. – Textile Träume von Hawaii“
Die Vorgeschichte der bunten Hemden begann in den 1820er-Jahren, als Missionare den „nackten“ Einheimischen Hemden und Kleider verordneten. Ende des 19. Jahrhunderts produzierten dann chinesische und japanische Einwanderer auf Hawaii karierte Arbeitshemden, und später fertigten sie für ihre Landsleute auch festtägliche Hemden aus bunten japanischen und chinesischen Seiden: Das Hawaii-Hemd (auch: Aloha-Shirt, Waikiki-Hemd) war geboren.



Ab den 1920er-Jahren im Zuge des Kreuzfahrttourismus mutierte das bunte Hemd zum Souvenirartikel. Eine boomende Textilindustrie entstand. Neben traditionellen polynesischen Motiven erschienen auf den Hemden nun Drucke mit touristischen Stereotypen aus Flora und Fauna, dem „paradiesischen Leben“ der Insulaner sowie Surfen und Badeleben. Durch Hollywoodgrößen von Montgomery Clift bis Tom Selleck geadelt, assoziieren Hawaii-Hemden wie kein anderes Kleidungsstück Vorstellungen von Sonne, Strand und exotischer Natur, von Freiheit, Abenteuer und Lebensfreude, kurz: sehnsuchtsvolle Projektionen westlicher Zivilisation auf vermeintlich paradiesische Zustände. Aber auch modischer Zeitgeist findet sich auf den bunten Hemden: Pop-Art in den 1960er-Jahren, Motive der 1930er-Jahre in der Retromode der 1980er.

Mit dem Tourismus stieg auf Hawaii auch die Textilproduktion: Angeboten wurden nun auch als typisch geltende Kleider für Touristinnen, und Bade- und Surfkleidung erweiterten das Angebot.

In die BRD kam das Hemd nach dem Zweiten Weltkrieg durch amerikanische Soldaten. Stars wie Elvis Presley („Blue Hawaii“ 1961) machten das Hemd populär, und „Alo ahe“-Schlager bedienten die Sehnsucht nach paradiesischen Zuständen. Selbst in der DDR wurden Hawaii-Hemden gefertigt. Bis heute sind die bunten Hemden an vielen Stränden auch außerhalb Polynesiens beliebt. Vor Ort tragen Einheimische das „Aloha-Shirt“ gerne selbst, auch als Zeichen einer „transpazifischen“ Identität.

Die Ausstellung führt durch das bunte Kaleidoskop dieser Mode mit einer repräsentativen Auswahl originaler Objekte aus der Sammlung von Andreas Seim, Karlsruhe.

„Exotik um den Nierentisch – Keramik aus den 50er-Jahren. Die Sammlung Harasko“
Nach den Schrecken und Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs standen die 1950er-Jahre unter den Zeichen des Wiederaufbaus und der Wohnraumbeschaffung, aber auch des kalten Kriegs und der Atombombenbedrohung. Heute erinnert man sich besonders gern an Dynamik und Schwung der Wirtschaftswunderzeit: Sie brachte neue Gebrauchsgüter in den Alltag, nachdem die dringendsten Grundbedürfnisse gedeckt worden waren.



Nach der „Fresswelle“ und der „Textilwelle“ betraf die dritte Konsumwelle der deutschen Nachkriegszeit Wohnungs¬einrichtungen und Hausrat. „Alles elektrisch“ war ein Schlagwort der Zeit, und bis Mitte der 1950er-Jahre wurde etwa die Hälfte der deutschen Haushalte neu „möbliert“. Während die meisten konservative, repräsentative Möbeln kauften, hielt die moderne Zeit Einzug durch Tütenlampen, Blumenständer und die berühmten „Nierentische“, durch Heimtextilien, Gebrauchs- und Ziergegenstände. Die enorme Vielfalt der 1950er-Jahre zeigte sich zuerst in diesen Accessoires: Sie waren beweglich und leicht zu erwerben.

Gleichzeitig erlebte die keramische Industrie in der BRD einen immensen Aufschwung. Zum einen gab es nach dem Krieg einen riesigen Bedarf an Gebrauchsgeschirr, zum anderen erlaubte der neue Wohlstand auch die Beschaffung dekorativer Keramik: Vasen aller Art wurden beliebte Geschenke. Ein großes Angebot an Bowle- und Saftservicen, Rauchersets, Portions¬schälchen für Partysalate und Halter für Knabbergebäck, zum Teil in abenteuerlichen Formen, war Ausdruck der neuen Bedeutung von Gastlichkeit und Tischkultur. Reiselust und die Neugier auf Exotisches zeigten Dekore von Wandtellern, Reliefmasken und figürliche Keramik.

Asymmetrie wurde zum neuen Prinzip der Gestaltung, und fließende Formen mit moderner, abstrakter Bemalung gelten als typisches Merkmal der Zeit. Craqueléglasuren wurden so beliebt, dass sie „aufgedruckt“ wurden, und neue, kräftige Farben kamen auf den Markt. Daneben führten weiterhin beliebte herkömmliche Formen und gegenständliche Dekore, z.B. Gräser, Reiher und Rehe, zu einem fast unüberschaubaren Sortiment.

Die von Alois Harasko aus Augsburg mit Leidenschaft zusammengetragene Sammlung umfasst vor allem Zierkeramik aus Steingut, Feinsteinzeug und Irdenware. Im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld bereichert erstmals eine kleine Auswahl zeitgenössischer Keramik aus Bayerisch-Schwaben die Ausstellung. Dazu vermitteln typisches Mobiliar und Filmvorführungen einen spannenden Eindruck in das Lebensgefühl der Zeit.


Begleitprogramm „Aloha-Shirt und Co.:

Sonntag, 5. April, 10. Mai, 21. Juni, jeweils 15 Uhr
Samstag, 8. August (Friedensfest), 15 Uhr
Kombi-Führung „Exotik um den Nierentisch – Keramik der 50er-Jahre“ und „Aloha-Shirt & Co.“ mit den Museumsexperten

Sonntag, 19. April, 14.30 Uhr
Cross-Over – Klangführung in den Sonderausstellungen
Die Musiker Joachim und Rupert Holzhauser interpretieren musikalisch das Lebensgefühl der 1950er-Jahre.

Sonntag, 17. Mai, 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr
Internationaler Museumstag, Eintritt frei
Ukulelen-Konzert in der Ausstellung: Der Hawaiianer Bobby Gilbert und sein Sohn konzertieren mit dem kleinen Kultinstrument.

Sonntag, 21. Juni, 10-17 Uhr
Großes Museumsfest zum 25-jährigen Jubiläum, Eintritt frei
Um 15 Uhr Show-Auftritt der Augsburger Rock’n Roll Company.

Montag, 10. und Dienstag, 11. August, jeweils 14-16.30 Uhr
Sommer-Ferienangebot: Voll stylisch – blumig-farbig – fetzig!
Überdimensionale Hemden im Museumshof warten auf junge Designer/-innen und Farbe. Auch ein eigenes Hemd (bitte mitbringen!) wird „gestylt“.
Anmeldung erbeten. Kosten je 7,50 EUR inkl. Eintritt.

Programm für Schulklassen und Gruppen
„Dreams of Paradise“ – mehr als Ananas, „Lifestyle” und Design?
Interaktive Führung einschließlich künstlerischer Arbeit.
Dauer: 90 Minuten, Kosten: Schüler/-innen 2 EUR, Erwachsene 3 EUR zzgl. Eintritt.

Führung für Gruppen
Dauer: 60 Minuten, Kosten: 30 EUR zzgl. Eintritt

Begleitprogramm “Exotik um den Nierentisch – Keramik der 50er-Jahre”

Sonntag, 5. April, 10. Mai, 21. Juni, jeweils 15 Uhr
Samstag, 8. August (Friedensfest), 15 Uhr
Kombi-Führung „Exotik um den Nierentisch – Keramik der 50er-Jahre“ und „Aloha-Shirt & Co.“ mit den Museumsexperten

Sonntag, 19. April, 14.30 Uhr
Cross-Over – Klangführung in den Sonderausstellungen
Die Musiker Joachim und Rupert Holzhauser interpretieren musikalisch das Lebensgefühl der 1950er-Jahre.

Sonntag, 17. Mai, 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr
Internationaler Museumstag, Eintritt frei
Ab 13 Uhr spannende Zeitreise für mutige Detektive. Am Zeitstrahl entlang geht es 50, 75 und 100 Jahre zurück. Bei der Bildersuchrallye für die ganze Familie sind attraktive Preise zu gewinnen.

Sonntag, 21. Juni, 10-17 Uhr
Großes Museumsfest zum 25-jährigen Jubiläum, Eintritt frei
Die „Landkreiskeramiker“ (Lkr. Augsburg) mit Rosemarie Krist gestalten in einer offenen Werkstatt Keramiken, angeregt durch den Stil der 1950er-Jahre.

Programm für Schulklassen und Gruppen
Exotisch und ganz schön in Form
Interaktive Führung einschließlich gestalterischer Arbeit mit selbst trocknender Tonmasse.
Dauer: 90 Minuten, Kosten: Schüler/-innen 2 EUR, Erwachsene 3 EUR zzgl. Eintritt.

Führung für Gruppen
Dauer: 60 Minuten, Kosten: 30 EUR zzgl. Eintritt

Auskunft und Buchung: Tel. (0 82 38) 30 01-0

Kontakt
Schwäbisches Volkskundemuseum
Oberschönenfeld
86459 Gessertshausen
Telefon: (0 82 38) 30 01-12
Fax: (0 82 38) 30 01-10
www.schwaebisches-volkskundemuseum.de