Originalgetreuer Brennofen wird in Schloss Höchstädt aufgebaut

Vier Monate vor der Eröffnung des neuen Museums Deutscher Fayencen laufen die Arbeiten im Schloss Höchstädt auf Hochtouren.

Viele der mehr als 1000 Ausstellungsstücke sind bereits vor Ort, nun folgen größere Einbauten. Für die Bayerische Schlösserverwaltung stellt ab Montag (21. Dezember) der Ofenbauer Matthias Pittroff einen rekonstruierten Fayencenofen auf. Der rund zwei Meter hohe und fast zweieinhalb Meter breite Ofen zeigt den Museumsbesuchern – in leicht verkleinertem Maßstab – wie und wo die Keramiken früher hergestellt wurden und wie schwierig es war, die „Hölle“ auf die für die Gefäße exakt benötigte Temperatur aufzuheizen. Der Aufbau des Ofens dauert insgesamt drei Wochen.

Am 29. April 2010 eröffnet dann die Fayencenausstellung mit dem Titel "Über den Tellerrand …", die prachtvolle und kuriose Meisterwerke der Fayencekunst des 17. und 18. Jahrhunderts versammelt. Das Museum wird in seiner Art einzigartig in Deutschland sein.

Ein anschauliches Museum für Kinder, Kenner und Kaffeetanten
Dutzende von Fayence-Manufakturen schossen in Deutschland im 18. Jahrhundert aus dem Boden. Sie fertigten diese besonderen Keramiken nicht nur für den Adel, sondern auch für Bürger und Handwerker an. Fayencen dienten sowohl zu repräsentativen als auch zu alltäglichen Zwecken.

Was veranlasste die Gründung dieser frühen Fabriken? Wie genau wurden dort Fayencen hergestellt? Wie sahen die Arbeitsbedingungen in den Manufakturen aus? Fragen, die das Deutsche Fayencemuseum beantworten will.
Konkrete Geschichten über Funktion und Nutzer von Fayencen soll der Besucher aus der Beschäftigung mit den einzelnen Objekten erfahren. Historische Lebenswelten sollen sich ihm eröffnen, etwa anhand der Tafel- und der Kaffeehauskultur, die mit dem Aufkommen der Fayencen Mode wurde. Die Ausstellung soll zum Hineindenken, Mitmachen und Ausprobieren ermutigen.

Als Vorbereitung für das Deutsche Fayencemuseum ließ die Schlösserverwaltung geeignete Räume in Schloss Höchstädt renovieren. Dabei wurden Wandmalereien aus unterschiedlichen Epochen freigelegt, die einigen neuen Museumsräumen einen ganz besonderen Reiz geben.

Schloss Höchstädt an der Donau
Schloss Höchstädt an der oberen Donau ist eines der herausragenden Denkmäler des ehemaligen Fürstentums Pfalz-Neuburg. Seine Entstehung verdankt die Vierflügelanlage mit den runden Ecktürmen der Eheschließung des Pfalzgrafen Philipp Ludwig von Neuburg mit der Herzogstochter Anna von Jülich-Kleve-Berg 1574. Im Heiratsvertrag verpflichtete sich der Pfalzgraf, für einen angemessenen Witwensitz zu sorgen.
1589 bis 1602 errichteten Graubündner Maurer nach Entwürfen von Lienhart Grieneisen einen Neubau in den Formen der Spätrenaissance, in den der gotische Turm der Vorgängerburg integriert wurde. Herzogin Anna lebte 1616 bis 1632 als Witwe in Höchstädt. Während ihr Sohn Wolfgang Wilhelm aus politischen Gründen in Neuburg die Gegenreformation durchführte, hielt sie hier am evangelischen Glauben fest. Davon zeugt noch die Ausmalung des Gewölbes der Schlosskapelle, die zu den schönsten Zeugnissen des süddeutschen Protestantismus vor der Gegenreformation gehört.
Danach diente das Schloss nur noch untergeordneten Zwecken. Daher blieb aber viel von der ursprünglichen Erscheinung eines Fürstensitzes der Spätrenaissance erhalten. Das Schloss wurde 1979 vom Freistaat Bayern erworben, um die bedeutende Anlage der Renaissance zu erhalten und kulturell zu nutzen.

Kontakt
Schloss Höchstädt
Herzogin-Anna-Straße 52
89420 Höchstädt/Donau
Telefon (0 90 74) 95 85 - 7 00
Fax (0 90 74) 95 85 - 7 91