Oberbayerns Holzkunstwerke – 5 Ausflugsziele für Architekturfans
Historische Holzbrücke bei Bad Tölz: Meisterwerk der Zimmermannskunst
Die historische Holzbrücke über die Isar bei Bad Tölz gilt als eines der bedeutendsten Beispiele traditioneller Zimmermannskunst in Oberbayern. Die filigrane Konstruktion aus dem 18. Jahrhundert zeigt eindrucksvoll, wie Holz als Baumaterial selbst anspruchsvollste statische Herausforderungen meistern kann. Besonders faszinierend sind die kunstvoll verzapften Verbindungen, die ganz ohne Nägel oder Schrauben auskommen. Jedes einzelne Holzelement wurde exakt an seinen Platz gefügt und bildet gemeinsam mit den anderen Bauteilen ein harmonisches Ganzes. Die präzise Berechnung der Lasten und die handwerkliche Umsetzung zeugen vom tiefen Verständnis der damaligen Zimmermeister für Statik und Material.

Bad Tölz und seine bekannte Holzbrücke sind beliebte Ausflugsziele in Oberbayern.
(© Sina Ettmer – stock.adobe.com)
Die Brücke wurde mehrfach restauriert und dabei stets originalgetreu wiederhergestellt. Bei einem Spaziergang über die knapp 40 Meter lange Konstruktion können Sie die handwerkliche Präzision hautnah erleben. Die umgebende Flusslandschaft lädt zu ausgedehnten Wanderungen ein, bei denen weitere historische Holzbauten der Region entdeckt werden können. Informationstafeln vor Ort erklären die Besonderheiten der Bauweise und geben Einblick in die Geschichte der Brücke.
Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Ettenberg: Barocke Holzpracht
Hoch über dem Chiemgau thront die Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Ettenberg, deren prachtvolle Holzdecke Besucher aus ganz Bayern anzieht. Die aufwendig geschnitzte Kassettendecke stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und zeigt biblische Szenen in beeindruckender Detailtreue. Jedes einzelne Feld wurde von Meisterhand gefertigt und bemalt. Die Farbgebung und Vergoldungen haben die Jahrhunderte erstaunlich gut überstanden und lassen den ursprünglichen Glanz noch heute erahnen. Die Kirchendecke ruht auf einem komplexen Tragwerk aus massiven Holzbalken, das die Last geschickt auf die Außenmauern verteilt.
Die Kirche selbst ist ein Gesamtkunstwerk aus Stein und Holz. Besonders sehenswert sind die barocken Altäre, deren Holzschnitzereien die hohe Kunst der damaligen Handwerker bezeugen. Solche Projekte zeigen die hohe Kunst des Holzbaus, wie sie heute noch von einer erfahrenen Zimmerei in Ingolstadt gepflegt wird. Der Aufstieg zur Kirche wird mit einem traumhaften Panoramablick über den Chiemsee belohnt. An klaren Tagen reicht die Sicht bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Chiemgauer Alpen.
Freilichtmuseum Glentleiten: Lebendige Holzbautradition
Das Freilichtmuseum Glentleiten zwischen Murnau und Kochel am See präsentiert auf über 38 Hektar die vielfältige Holzbautradition Oberbayerns. Mehr als 60 historische Gebäude wurden hier originalgetreu wiederaufgebaut und vermitteln ein authentisches Bild vom Leben und Arbeiten vergangener Jahrhunderte. Von der einfachen Almhütte bis zum stattlichen Bauernhof zeigt sich die ganze Bandbreite traditioneller Holzarchitektur. Die einzelnen Häuser stammen aus unterschiedlichen Regionen Oberbayerns und repräsentieren verschiedene soziale Schichten vom Tagelöhner bis zum wohlhabenden Bauern.
Besonders eindrucksvoll sind die verschiedenen Dachkonstruktionen und Fachwerktechniken, die je nach Region und Zeitepoche variieren. In regelmäßigen Vorführungen demonstrieren Handwerker alte Techniken wie das Schindelmachen oder das Errichten von Blockwänden. Ein Rundgang durch das Museum ist wie eine Zeitreise durch die Entwicklung der Holzbaukunst in Bayern. Die idyllische Lage mit Blick auf die Alpenkette macht den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wechselnde Ausstellungen vertiefen einzelne Aspekte der ländlichen Baukultur und des traditionellen Handwerks.
Moderne Holzarchitektur am Tegernsee: Die Seesauna in Rottach-Egern
Die Seesauna in Rottach-Egern beweist eindrucksvoll, dass Holzbau auch im 21. Jahrhundert architektonische Maßstäbe setzen kann. Der preisgekrönte Bau fügt sich harmonisch in die Uferlandschaft ein und verbindet traditionelle Materialien mit zeitgenössischem Design. Große Glasflächen und naturbelassenes Lärchenholz schaffen eine einzigartige Atmosphäre zwischen Natur und Architektur. Die Architekten haben bewusst auf regionale Holzarten gesetzt, die sich durch ihre Witterungsbeständigkeit auszeichnen und im Laufe der Zeit eine natürliche silbergraue Patina entwickeln.
Die komplexe Dachkonstruktion mit ihrer geschwungenen Form stellt höchste Ansprüche an die ausführenden Zimmerleute. Modernste Computertechnik trifft hier auf jahrhundertealtes Handwerkswissen. Nach einem entspannten Saunagang können Besucher die architektonischen Details in Ruhe studieren. Die Terrasse bietet spektakuläre Ausblicke über den See und lädt zum Verweilen ein. Das Gebäude zeigt beispielhaft, wie nachhaltige Holzarchitektur Funktionalität, Ästhetik und Umweltbewusstsein vereinen kann. Durch die Verwendung heimischer Hölzer und die energieeffiziente Bauweise erhielt das Projekt mehrere Auszeichnungen für nachhaltiges Bauen.
Kloster Benediktbeuern: Historische Dachstühle und Holzgewölbe
Das Kloster Benediktbeuern beherbergt einige der beeindruckendsten historischen Holzkonstruktionen Oberbayerns. Bei speziellen Führungen können Besucher die gewaltigen Dachstühle über der Basilika und dem Konventbau besichtigen. Diese meisterhaften Zimmermannsarbeiten aus verschiedenen Jahrhunderten dokumentieren die Entwicklung der Bautechnik vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Die mächtigen Balken stammen teilweise aus Bäumen, die mehrere Jahrhunderte alt waren, und wurden ohne moderne Hebevorrichtungen in Position gebracht.
Besonders faszinierend ist der barocke Bibliothekssaal mit seiner kunstvoll gestalteten Holzdecke. Die aufwendigen Stuckarbeiten werden von einer tragenden Holzkonstruktion getragen, die sich vollständig hinter der Dekoration verbirgt. Im Kreuzgang zeigen die hölzernen Gewölberippen die elegante Verbindung von Stein- und Holzbau. Das Kloster bietet regelmäßig Sonderführungen an, bei denen Experten die bauhistorischen Besonderheiten erläutern. Ein Besuch lohnt sich auch wegen der weitläufigen Klosteranlage mit ihren Gärten und dem nahegelegenen Moor. Die Klosterbibliothek zählt zu den schönsten Rokokosälen Bayerns und beeindruckt durch ihre perfekte Akustik.

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