Bayerischer Wein und Münchner Genusskultur, wie Franken die Landeshauptstadt prägt
Bayern wird international vor allem mit Bier assoziiert, doch der Freistaat ist auch Heimat eines der traditionsreichsten deutschen Weinbaugebiete. Franken zählt zu den 13 offiziell anerkannten deutschen Anbauregionen und liefert Weine, die in München seit Jahrhunderten auf den Tischen von Wirtshäusern, Klöstern und Privathaushalten stehen. Wer die kulinarische Identität der Landeshauptstadt verstehen will, kommt an fränkischem Silvaner und der typischen Bocksbeutelflasche kaum vorbei.

Franken ist bekannt für seine exzellenten Weinanbaugebiete.
(© barmalini – Shutterstock.com)
Franken als Herzstück des bayerischen Weinbaus
Das Anbaugebiet Franken erstreckt sich entlang des Mains und umfasst laut Deutschem Weininstitut rund 6.300 Hektar Rebfläche. Die Region ist vor allem für Weißweine bekannt, wobei Silvaner als Leitrebsorte gilt. Historisch belegt ist, dass die Sorte im Jahr 1659 erstmals in Castell im Steigerwald urkundlich erwähnt wurde, was Castell zum ältesten dokumentierten Silvaner-Standort Deutschlands macht.
Die klimatischen Bedingungen in Franken unterscheiden sich deutlich von denen der Mosel oder des Rheingaus. Kontinentales Klima mit warmen Sommern und kalten Wintern prägt den Charakter der Weine, die häufig als trocken, mineralisch und körperreich beschrieben werden. Neben Silvaner spielen Müller-Thurgau, Bacchus und zunehmend auch Riesling eine Rolle. Bei den Rotweinen gewinnen Spätburgunder und Domina an Bedeutung, wobei die Rebfläche für Rotwein in Franken bei etwa 20 Prozent liegt.
Ein Alleinstellungsmerkmal ist der Bocksbeutel, die bauchige Flaschenform, die seit 1989 als geografische Herkunftsangabe in der EU geschützt ist. Sie darf ausschließlich für Qualitätsweine aus Franken, aus dem badischen Taubertal sowie aus wenigen weiteren definierten Lagen verwendet werden.
Wie fränkischer Wein den Weg nach München fand
Die Verbindung zwischen München und dem fränkischen Wein reicht weit zurück. Bereits im Mittelalter belieferten Klöster wie Ebrach und Kloster Bronnbach süddeutsche Städte, darunter die bayerische Residenzstadt. Der Staatliche Hofkeller Würzburg, gegründet 1128, gehört zu den ältesten Weingütern der Welt und lieferte über Jahrhunderte an den Münchner Hof. Wer sich abseits klassischer Weinseminare vertieft mit regionalen Erzeugern beschäftigen möchte, findet in der Landeshauptstadt inzwischen zahlreiche Formate dafür. Ein privates Wine Tasting etwa ermöglicht es, in kleiner Runde gezielt bayerische und internationale Weine zu verkosten und die Unterschiede zwischen Terroirs, Ausbaumethoden und Jahrgängen strukturiert zu erfassen.
Diese Nachfrage nach fundierter Weinbildung spiegelt sich auch in der Ausbildungslandschaft. Die IHK für München und Oberbayern bietet gemeinsam mit Fachpartnern Sommelier-Weiterbildungen an, und die Zahl geprüfter Weinberater und Sommeliers in der Region ist laut Angaben der Sommelier Union Deutschland in den letzten Jahren gestiegen.
Qualitätskriterien und Prüfstandards, was auf dem Etikett wirklich steht
Deutsche Weine unterliegen einem strengen Klassifikationssystem, das im Weingesetz geregelt ist. Seit der Reform 2021 orientiert sich die Qualitätspyramide stärker am romanischen Herkunftsprinzip, mit den Stufen Anbaugebiet, Region, Ort, Lage und Einzellage. Ergänzend dazu bestehen die klassischen Prädikate wie Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein, die sich am Mostgewicht bei der Lese orientieren, gemessen in Grad Oechsle.
Für Kabinett gelten in Franken je nach Rebsorte Mindestwerte von etwa 76 bis 80 Grad Oechsle, für Spätlese liegen sie bei rund 85 bis 90 Grad. Diese Zahlen sind kein rein technisches Detail, sondern beeinflussen Alkoholgehalt, Restsüße und Alterungspotenzial des Weins. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) hat zusätzlich ein eigenes Klassifikationssystem mit den Kategorien Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Große Lage etabliert, das sich am Vorbild des burgundischen Cru-Systems orientiert.
Münchner Weinszene zwischen Tradition und Fachhandel
Die Münchner Weinlandschaft ist heute vielfältiger als ihr Ruf vermuten lässt. Traditionshäuser wie die Weinhandlung Garibaldi, gegründet 1955, oder das Weinhaus Neuner in der Herzogspitalstraße, dessen Räumlichkeiten bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, stehen neben spezialisierten Fachhändlern und Naturweinbars in Vierteln wie dem Glockenbach, Haidhausen und der Maxvorstadt. Der Fachhandel setzt zunehmend auf Direktbezug von kleinen Winzern, insbesondere aus Franken, aber auch aus Württemberg und den österreichischen Anbaugebieten.
Für Interessierte, die tiefer in das Thema einsteigen wollen, empfiehlt sich ein Blick auf die Verkostungen des Fränkischen Weinbauverbands sowie die jährlich stattfindende Messe ProWein in Düsseldorf, die als weltweit größte Fachmesse für Wein und Spirituosen gilt und zahlreiche bayerische Erzeuger präsentiert. Wer den Weg dorthin scheut, findet in München mit Fachhandel, Verkostungsformaten und Weinbars ausreichend Möglichkeiten, die Vielfalt fränkischer und internationaler Weine kennenzulernen.

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