Wärmepumpe im Bestand: Warum nicht nur das Baujahr zählt

Ein älteres Haus in Bayern kann im Winter andere Anforderungen an seine Heizung stellen als ein gut gedämmter Neubau. Ob sich dort eine Wärmepumpe sinnvoll einsetzen lässt, verrät das Baujahr allein jedoch nicht. Wichtiger ist, wie viel Wärme die Räume benötigen, welche Heizflächen vorhanden sind und mit welcher Temperatur das Heizungswasser zirkulieren muss. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann eine Modernisierung gezielter vorbereiten.

Wärmepumpe

Bei der Wärmepump in Bestandsgebäude müssen bestimmte Dinge beachtet werden.
(© I AM NIKOM -Shutterstock.com)

Das Baujahr ist nur ein Teil der Antwort

Zwischen zwei Häusern aus derselben Bauzeit können erhebliche Unterschiede liegen. Vielleicht wurden bei einem bereits Fenster erneuert und das Dach gedämmt, während beim anderen noch viele Bauteile im ursprünglichen Zustand sind. Auch Grundriss, beheizte Fläche und bisherige Raumtemperaturen wirken sich auf den Wärmebedarf aus. Deshalb führt die einfache Frage „Altbau oder Neubau?“ bei der Wahl einer Heizung nicht weit genug.

Das Umweltbundesamt beschreibt in seinen Hinweisen zum Einsatz von Wärmepumpen sowohl neue als auch ältere Gebäude. Günstig für einen effizienten Betrieb sind ein niedriger Wärmebedarf und möglichst niedrige Temperaturen im Heizsystem. Daraus folgt aber keine Pflicht zur vollständigen Sanierung, bevor über eine Wärmepumpe nachgedacht werden darf. Zunächst muss erkennbar sein, welche Bedingungen das konkrete Haus mitbringt. Gerade bei Bestandsgebäuden in der Oberpfalz kann der Blick auf bereits erfolgte Umbauten aufschlussreicher sein als ein Blick auf das Baujahr im Grundbuch.

Heizflächen und Vorlauftemperatur zusammendenken

Die Vorlauftemperatur bezeichnet die Temperatur des Wassers, das vom Wärmeerzeuger zu Heizkörpern oder Flächenheizungen strömt. Benötigt ein Raum viel Wärme, müssen die Heizflächen diese auch abgeben können. Sind sie dafür zu klein, kann eine höhere Vorlauftemperatur erforderlich werden. Für die Wärmepumpe bedeutet ein größerer Temperaturunterschied zwischen Umweltwärme und Heizwasser in der Regel mehr Arbeit und einen höheren Strombedarf. Die Größe der Heizflächen ist daher ein wichtiger Teil der Eignungsprüfung.

Vorhandene Heizkörper schließen eine Wärmepumpe keineswegs grundsätzlich aus. Entscheidend ist, ob sie die Räume bei einer möglichst niedrigen Vorlauftemperatur ausreichend erwärmen können. Manchmal sind einzelne Heizkörper großzügig dimensioniert, während ein bestimmter Raum die Temperatur der gesamten Anlage nach oben treibt. Ein gezielter Austausch kann dann sinnvoller sein als ein pauschaler Umbau aller Räume. Eine vom Umweltbundesamt vorgestellte Untersuchung zur Effizienz von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden zeigt für betrachtete Modellfälle Verbesserungen durch angepasste Heizflächen. Welcher Schritt sich bei einem einzelnen Haus lohnt, ergibt sich erst aus dessen tatsächlicher Wärmeverteilung.

Welche Wärmequelle passt zum Grundstück?

Eine Wärmepumpe kann Wärme aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser nutzen. Damit rückt neben dem Haus auch sein Standort in den Blick. Bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe braucht die Außeneinheit einen geeigneten Platz; ihre Aufstellung sollte unter anderem mit Blick auf Luftführung und Geräusche durchdacht werden. Wo das Grundstück wenig Raum bietet, kann schon die Position zwischen Hauswand, Wegen und Nachbarbebauung die Planung beeinflussen.

Für die Nutzung von Erdwärme kommen beispielsweise oberflächennahe Kollektoren oder Sonden infrage. Kollektoren benötigen verfügbare Grundstücksfläche, Sonden setzen Bohrungen voraus. Eine Anlage mit Grundwasser als Wärmequelle hängt wiederum von den örtlichen Wasserverhältnissen ab. Bei Eingriffen in Boden oder Grundwasser können behördliche Anforderungen eine Rolle spielen. Keine dieser Varianten ist allein aufgrund ihres Namens die passende Wahl: Gebäude, Grundstück und technische Umsetzung müssen zusammen betrachtet werden. Das gilt für ein Haus am Ortsrand ebenso wie für ein eng bebautes Grundstück in der Stadt.

Vor der Entscheidung den Wärmebedarf und die Anlage prüfen

Ein guter Ausgangspunkt ist die Heizlast: Sie beschreibt, welche Wärmeleistung das Gebäude unter festgelegten Bedingungen benötigt, damit die Räume warm bleiben. Sie ist nicht mit dem bisherigen Jahresverbrauch gleichzusetzen. Verbrauchsdaten können Hinweise geben, werden aber auch durch Wetter, Einstellungen und das Verhalten der Bewohner geprägt. Für die Auslegung einer Wärmepumpe zählt deshalb der fachliche Blick auf das Gebäude und seine einzelnen Räume. Eine allein nach Wohnfläche ausgewählte Anlage würde wichtige Unterschiede übergehen.

Ebenso wichtig ist der Weg der Wärme durchs Haus. Welche Heizkörper sind vorhanden, welche Vorlauftemperatur benötigt die Anlage und wie ist das Rohrnetz aufgebaut? Auch die Warmwasserbereitung gehört in die Betrachtung, weil sie andere Temperaturen erfordern kann als die Raumheizung. Hydraulische Gegebenheiten entscheiden mit darüber, ob die Wärme gleichmäßig bei den Heizflächen ankommt. Igl Umwelt und Gebäudetechnik bietet eine energieeffiziente Wärmepumpe in Schwandorf an. Bei der Planung sind das Gebäude, bestehende Heizsysteme und Heizkörper sowie Heizlast, Vorlauftemperatur und hydraulische Gegebenheiten allgemeine Prüfpunkte. Diese Prüfpunkte helfen Eigentümern, Angebote anhand der tatsächlichen Anforderungen ihres Hauses zu beurteilen, statt nur Geräte miteinander zu vergleichen.

Modernisierung in Etappen statt nach Schema F

Die Bestandsaufnahme kann ganz unterschiedliche Maßnahmen nahelegen. In einem Haus reichen möglicherweise Anpassungen an einzelnen Heizkörpern oder an den Einstellungen der Wärmeverteilung. In einem anderen lohnt es sich, zuerst Wärmeverluste an bestimmten Bauteilen zu verringern. Eine Dämmmaßnahme verändert den Wärmebedarf; ein größerer Heizkörper kann die notwendige Vorlauftemperatur in einem Raum senken. Beides greift an verschiedenen Stellen des Heizsystems an und muss nicht automatisch gleichzeitig oder im gesamten Gebäude umgesetzt werden.

Wichtig ist die Reihenfolge: Wer größere Veränderungen an der Gebäudehülle plant, sollte sie bereits bei der Auslegung der neuen Heizung berücksichtigen. Sonst wird womöglich für einen Wärmebedarf geplant, der später nicht mehr besteht. Stehen keine solchen Arbeiten an, bleibt die Frage, wie die vorhandenen Räume mit ihren Heizflächen versorgt werden können. Bei Modernisierungen kommen unter anderem der Austausch einzelner Heizkörper und Anpassungen am hydraulischen Netz als mögliche Schritte infrage. Welche davon angemessen sind, hängt von der Untersuchung des jeweiligen Hauses ab – nicht von einer allgemeingültigen Liste für alle Altbauten.

Eine belastbare Entscheidung braucht den Blick aufs ganze Haus

Für die Vorbereitung einer fachlichen Planung lohnt es sich, vorhandene Unterlagen zusammenzutragen: Pläne und Angaben zu früheren Dämmmaßnahmen, Informationen über Heizkörper und Heizungsanlage sowie Verbrauchsdaten aus mehreren Jahren. Auch Räume, die bisher nur schwer warm wurden, sind ein wichtiger Hinweis. Wer künftig anders heizen oder zusätzlichen Wohnraum nutzen möchte, sollte dies ebenfalls früh berücksichtigen. Solche Angaben ersetzen keine Heizlastberechnung, machen die Ausgangslage aber verständlicher.

Am Ende steht nicht die Frage, ob ein Haus alt genug ist, um gegen eine Wärmepumpe zu sprechen. Maßgeblich ist, welche Wärme es tatsächlich braucht, bei welchen Temperaturen die Heizflächen arbeiten und welche Wärmequelle am Standort praktikabel ist. Erst wenn diese Punkte zusammenpassen, lässt sich eine Anlage sinnvoll auswählen und in die bestehende Haustechnik einbinden. So wird aus einer allgemeinen Idee eine Entscheidung für das konkrete Gebäude.

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