„Zum Bluff kema zam“: Poker in Bayern

Schafkopf, Watten, Neunerln – die Bayern spielen gern Karten, am liebsten um den Stammtisch versammelt. Doch neben den typischen und traditionsreichen einheimischen Spielen liebt man auch hier Poker, vor allem Texas Hold’em, die am weitesten verbreitete Form. Mittlerweile wird natürlich nicht nur in geselliger Runde oder im Casino gezockt, sondern auch in Online-Casinos und deren Poker-Räumen, die 24 Stunden am Tag zugänglich sind. Wer Poker mehr aus sportlicher Leidenschaft als um Geld spielt, findet jedoch auch zahlreiche Vereine und Treffs rund um das schlaue Spiel, zudem gibt es im Bundesland ein gutes Angebot an Spielbanken, sei es zum Gelegenheitsspiel oder zur Teilnahme an einem Turnier.

Casino

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Klar, typisch bayerisch ist Poker nicht. Das Spiel etablierte sich zunächst in den USA, auf den Raddampfern des Mississippi, in Wild West Salons und später natürlich in Las Vegas. Texas Hold’em ist die am leichtesten zu lernende Varianten, die heute in den meisten Spielbanken und Online-Casinos angeboten und in vielen Vereinen gespielt wird. Mit Glück hat Pokern generell nur wenig zu tun – wenngleich ein gutes Blatt wichtig ist, wissen erfahrene Spieler doch, dass man auch mit schlechten Karten gewinnen kann. Im Grunde handelt es sich hierbei mehr um ein Geschicklichkeits- und Strategiespiel, um richtig gut darin zu werden, bedarf es einer Menge Übung. Beobachtungsgabe, psychologisches Geschick, emotionale Intelligenz wie auch das berühmte eiskalte Poker Face und ein überzeugender Bluff helfen dabei die Gegner zu durchschauen, oder sie in die Irre zu führen und zum Aufgeben zu zwingen.

Dabei sind die Poker Regeln an sich nicht schwer zu lernen, und in ganz Bayern gibt es diverse Vereine und Poker-Clubs, in denen der sportliche Charakter des Spiels im Vordergrund steht. Vorreitend ist hierbei der Deutsche Poker Sportbund, der es sich zum Ziel gesetzt hat, das Spiel als Denksport in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren und integrieren. Neben dem Aufbau von regionalen Vereinen fördert der Bund, der ursprünglich in Regensburg gegründet wurde, auch Turniere in ganz Deutschland und damit auch in Bayern. In der HeadsUp Live Liga des Vereins spielen beispielsweise die Bavarian Allstars, die Deaf Poker „Devil“ Bavaria und der 1. Pokerclub Ingolstadt. Auch an der deutschen Match Poker Meisterschaft ist der Deutsche Poker Sportbund beteiligt.

In der bayerischen Landeshauptstadt gibt es eine rege Pokerszene, mit Vereinen wie Isar-Poker München und dem Turnierorganisator Munichpoker, die monatlich diversen Turniere veranstaltet. Die bestplatzierten Spieler qualifizieren sich für die Stadtmeisterschaften, Bezirksmeisterschaften, die Bayerischen Meisterschaften oder gar die Deutschen Meisterschaften. Neben München besitzt auch Ingolstadt eine rege Pokerszene, neben dem 1, Pokerclub Ingolstadt ist hier auch der Verein Phoenix Poker angesiedelt, beide gehören zu den aktivsten Pokervereinen in ganz Deutschland.

Legal darf in Pokervereinen nicht um Geld gespielt werden, auch Sachpreise dürfen nicht aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert sein, so sieht es das Glückspielgesetz vor. Hier geht es nur um die Ehre und die Ranglisten anzuführen. Nicht jeder gibt sich damit zufrieden, für viele Menschen ist der Reiz dabei auch einen beachtlichen finanziellen Gewinn davonzutragen. Wer sich bereits für Poker interessiert, weiß, dass viele Spieler das Zocken zur Karriere gemacht haben und damit ihren Lebensunterhalt verdienen können. Justin Bonomo, der erfolgreichste Pokerspieler der Welt, kommt aus den USA und hat bereits 59 Millionen US-Dollar in Gesamtpreisgeldern gewonnen, dreimal war er Sieger der World Series Of Poker. Fedor Holz ist der beste Spieler aus Deutschland, er gewann gesamt 36,6 Millionen US Dollar, stammt dabei allerdings nicht aus Bayern, sondern aus Saarbrücken.

Pokern

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Wer vom großen Geld träumt, und es nicht bis in ein internationales Turnier schafft, kann zum Gelegenheitsspiel oder Turnier eine der offiziellen bayerischen Spielbanken besuchen, von denen es in Bayern genug gibt: Das Unternehmen „Spielbanken Bayern“ betreibt neun Casinos im Bundesland, in den Kurorten Bad Wiessee, Bad Füssing, Bad Kissingen, Bad Reichenhall, Bad Kötzing und Bad Steben, sowie in Lindau, Garmisch-Partenkirchen und Feuchtwangen. Pokerturniere und Cash-Games wie auch Spiele der Pokermeisterschaft werden in Bad Wiessee veranstaltet, neben Texas Hold’em kann man hier auch Bavarian Texas Holde’em erleben, eine Variante, bei der man nicht gegen andere Spieler, sondern die Casino-Bank spielt. Das gleiche Angebot findet man in Bad Kötzing und Feuchtwangen, das Casino Lindau bietet Cash Games und Turniere für Texas Hold’em, zudem wird hier eine Pokerschule veranstaltet. Freitags ab 20 Uhr können Anfänger in die Welt des faszinierenden Spiels einsteigen und die Regeln lernen, wobei die Schule für jedermann offen ist, allerdings bedarf es vor dem Besuch der Anfrage zu den aktuellen Terminen.

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Wie sieht es jedoch mit privatem Pokerspiel in Bayern der Gesetzeslage nach aus? Generell darf man privat um Kleinstbeträge spielen, sofern es sich um eine geschlossene Gesellschaft handelt und der Faktor „Regelmäßigkeit“ wegfällt. Wer sich demnach allwöchentlich zum Poker versammelt, macht sich strafbar. Online-Poker ist erlaubt, sofern man in einem Casino mit gültiger deutscher Lizenz spielt, während das Spiel bei Anbietern aus dem Ausland offiziell illegal ist. Der neue Glückspielstaatsvertrag war 2021 jedoch ein Meilenstein für die Poker-Community, in Bayern wie auch in allen anderen deutschen Bundesländern.



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